Die deutschen Kulturbanausen

Zum ersten Mal wurde ich 1996 mit nicht wenigen Kulturbanausen konfrontiert, die da die Notwendigkeit sahen, der deutschen Sprache eine Rechtschreibreform aufgrund von „notwendigen“ Vereinfachungen zu verpassen. Sie führte schon damals zu Auseinander-setzung, die gut 10 Jahre andauerten, wobei die Reformbefürworter bis heute jede logischen Argumentation für ein Pro vermissen ließen. Damals, als 1996 auf der Frankfurter Buchmesse mehr als 100 renommierte Schriftsteller und Wissenschaftler in der sogenannten Frankfurter Erklärung einen Stopp der Reform verlangten, ahnte niemand, dass es noch bis 2006 dauern sollte, bis eine reformierte Reform durch den Rat der deutschen Rechtschreibung der Kultusministerkonferenz weitergereicht und so endgültig eingeführt wurde. Überzeugt hat das so manchen Kulturhistoriker, Journalisten oder Germanisten bis heute nicht. Viele Presseagenturen nutzen noch heute eine eigene Hausorthografie, die sich eher der alten Schreibweise bedient. Insofern hatte unser Altbundespräsident Roman Herzog recht, als er 1998 betonte, die Rechtschreibreform wäre überflüssig wie ein Kropf! Noch drastischer verurteilte Siegfried Lenz die orthografischen Kulturbanausen: Verflachung der deutschen Sprache, lächerlicher und kostspieliger Unsinn!“   Jetzt kommt scheinbar wieder so ’ne „Kultursause“ …

DerMohr

So dringt wieder ein Thema bei den Medien in den Vordergrund, der Begriffe in der deutschen Sprache angreift und lächerlicher nicht mehr sein kann: Die Bezeichnungen Neger, Mohr oder ähnliche „schwarzlastige Diskriminierung“ hat aus dem deutschen Wortschatz zu verschwinden. Ja, geht’s eigentlich noch? Sind die nimmermüden Kulturbanausen schon wieder am Demontieren der deutschen Sprache und ihres kulturellen Guts? Himmel, unser Schiller dreht sich im Grabe um: Es soll jetzt: „Der Farbige hat seine Schuldigkeit getan, nun kann er gehen!“ heißen. Ja, haben die denn noch alle Tassen im Schrank? Der Oetinger Verlag betitelt bei Pippi Langstrumpf den „Negerkönig“ nun als „Südseekönig“, was angeblich (laut Dialika Neufeld, im Spiegel 04/2013) dem „Text nicht weh getan hat“. Leider war es mit der Intelligenz der Kulturignoranten beim Verlag mit der Neubezeichnung „Südseekönig“ auch nicht sonderlich weit her. Nachhilfe: Die „roten“ Insulaner der Südsee sind mit den „schwarzen“ Afrikanern so viel verwandt wie die Araber mit den Wikingern! Na ja, und dann trötet da noch die angeberische, sehr von sich eingenommene Rechthaberin Kristina Schröter herum, dass sie beim Vorlesen von Kinderbüchern solche Begriffe weglasse, um ihre Kinder vor diesen diskriminierenden Begriffen zu bewahren. Bei ihrer Mentalität und ihren Ansichten würde mich das nicht sonderlich stören, weil die sich schon daran stört, dass es „der Gott“ heißt und sie deshalb ihren Kindern nur „das liebe Gott“ zuflüstert.

Ich habe mich als Kind in den fünfziger Jahren weder am Begriff „Negerlein“, noch am geliebten „Negerkuss“ (in Berlin wurde der damals nicht mit Mohrenkopf getitelt) gestört. Und dass es gerade „10 kleine Negerlein“ waren, die einer nach dem anderen das Zeitliche segnen, mag fragwürdig sein. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich dieses Lied daran aufgemacht habe, dass es sich hier nur um schwarze Kinder handeln darf bzw. muss. Nee, wir hatten auch „10 kleine Nazi-Schweine“ und später, gerade als Westberliner Steppkes an der Mauer, „10 kleine Russen-Schweine“ und „10 kleine Vopo-Schweine“ gesungen, mit zum Teil anderen „Sterbeszenen“ im Text. Was soll das also? Ich selbst benutze das Wort „Neger“ in der Umgangssprache genauso wenig wie die Diffamierungen „Bimbo, Polacke, Itaka, Iwan oder Kümmeltürke“, aber deshalb würde ich diese Wörter niemals einem Literaturwerk entnehmen. Unsere deutsche, gesellschaftspolitische Korrektheit, die ihre eigene Kultur schändet, erscheint mir manchmal zum Kotzen. Typisch Deutsch, sagt man im europäischen Ausland, ich kann dem nur antworten: Dann bin ich kein typischer Deutscher! Klar, stets wird der Duden als Maßstab genommen. Aber gerade hier haben nicht wenig Leute in den letzten Jahrzehnten mitgearbeitet, denen das Schützen deutschen Kulturguts, insbesondere in der Literatur, alles andere als heilig war. Heinrich Hoffmann, der als Vater vom „Struwwelpeter“ mit Sicherheit eher das Gegenteil eines Rassisten darstellte, würde sich wohl auch kopfschüttelnd abwenden, läse er, dass künftig in seinem Buch nicht mehr vom Mohr, sondern vom „schwarzen Buben“ gesprochen wird.

Bleiben wir beim angeblich so furchtbaren Wort „Neger“. In der Tat, im Sprachgebrauch benutze ich ausschließlich „Schwarzer“. Warum? Weil ich es mir erlesen und erhört habe, denn die Medien schreiben und reden nur von Farbigen und Schwarzen. Trotzdem störe ich mich weder am Wort „Neger“ noch am Begriff „Mohr“, wenn ich den Begriff in der Literatur, also auch in Kinderbüchern finde. Mich hat damals bei jeder Schokolade, die ich verputzt habe, der Sarotti-Mohr nie gestört. Im Gegenteil, ich fand (und finde) ihn sogar äußerst sympathisch. Auch die Bezeichnung „Zigeuner“ hatte ich, solange ich mich zu erinnern imstande bin, nie als diskriminierend empfunden, weil sich eben ein „Herumtreiber“ bei mir nicht negativ einnistete. Meine Eltern betitelten uns oft als „Zigeuner“, wenn wir uns zu lange auf den Straßen herumgetrieben haben. Da war aber nie Schmähe inne. Aber wenn es künftig nach den Kulturschnöseln in unserem Lande geht, dann bin ich vielleicht schon Rassist, wenn ich ein Zigeunerschnitzel bestelle. Vermutlich löst sich das Problem bald von selbst, in Berlin und Frankfurt steht es oft nicht mehr auf der Speisekarte. Beschämt wird es da schon seit geraumer Zeit nun „Paprikaschnitzel“ benannt. Mein Gott, was eine Farce !?

Überhaupt, man traut sich oft keine einzige Beschwerde (wie nenne ich sie denn nun?) gegen „Zuwanderer“ auszusprechen. Ich finde „Multi-Kulti“ schön und fühle mich auch durchaus als Europäer. Aber dabei darf man mir nicht meine Herkunft und Erinnerung nehmen, indem man mir vorschreibt, was ich künftig zu missachten habe und was meiner eigenen, mit mir aufgewachsenen und gelehrten deutschen Kultur zu entnehmen ist. Ich ertrage es durchaus, wenn ich heute durch Berliner Bezirke gehe, die ich bereits vor 60 Jahren als kleiner Junge mit dem Roller durchradelte und heute feststelle, dass ich die Überschriften in Türkisch oder Arabisch bei den Kaufläden nicht mehr lesen kann. Die Zeit ändert sich, man kann deshalb nicht stehen bleiben und sie aufzuhalten versuchen. Nein, sicher nicht. Aber von niemanden, egal wo er herkommt, wer seine Mutter und wer sein Vater ist, lasse ich mir meine Kindheit stehlen. Weder im Struwwelpeter, noch sonst wo. Sicher ist die Handlungsweise und Lebensart eines „Dagobert Duck“ fragwürdig. Kein Mensch regt sich darüber auf. Wäre er schwarz und man würde ihn „Mohr Dagobert“ nennen, hätte plötzlich die „Micky Maus“ und der Ehapa-Verlag ein Problem.

So verbleiben mir eigentlich zwei Zitate, die ich absolut teile und an den Schluss dieses Themas setzen möchte:

Jeder soll nach seiner Fasson selig werden
und
jeder denkt, der andere ist so wie er und vergisst, dass es auch gute Menschen gibt!

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Über berni43

Baujahr 1943 ABI 1961 Diplom (Ing) 1965 Studium BWL (PBW) 1981 Prom. 2009 Leitender Dipl.Ing. ab 1971 Freiberuflicher Ing. ab 2008 Promo Holograph Laser-Systems UoC (USA) 2009 Technical Advisor SONY-Group TOKIO 2010 STRAWFISH-Group BERLIN ab 2011 Spezielle Media Holografie/3D ab 2012 Spezialist Kommunikation, Mediator, Schulungsleiter Präsentationen, Technical Advisor Group Holografie
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2 Antworten zu Die deutschen Kulturbanausen

  1. Sebastian Trost schreibt:

    Gerade Kristina Schröder, die unter Merkels Gnaden aus Wiesbaden in den Bund avancierte Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Besitzerin eines „statistischen“ Dr.-Titels, den jeder gute Realschüler gestemmt hätte, sollte als „Emma der größten Kulturschänderinnen“ Deutschlands ihre unchristlische Klappe halten. Im Volk bei fast allen Familien unbeliebt und bekannt als Abzockerin in zweifelhafter Literaturmanie, will sie alles „Nurmännliche“ der deutschen Sprache ins „Sächliche“ deportieren. Sie schlägt vor, dass alle deutschen Familien ihren Kindern beibringen, dass es nur „der Mann“, „der Opa“ und „die Frau“ nebst „die Oma“ und Männliches bzw. Weibliches nur den Personenbezeichnungen vorbehalten ist. „Lehrt Euren Kindern die deutsche Formulierung dahin, dass es z.B. nur „das Gott“ und „das Bibel“ heißen muss. Liebe christlich-demokratisch-liberale Bundesregierung, erspart uns doch künftig bitte solche „Damenmenschen“ wie „die Kristina Köhler aus Wiesbaden“. Sonst muss ich tatsächlich kotzend Rot-Grün wählen!

  2. willi schreibt:

    du hast völlig recht, berni. es ist schlimm, wie so viele leute mit dem alten, deutschen kulturgut umgehen und meinen, wir müssen uns neuen normen unterordnen. der begriff neger suggeriert mir eine menschenrasse, ebenso wie die bezeichnung indianer und eskimos. dass neger, mohr usw. als schlecht und diskriminierend gilt, ist nicht meine und nicht des deutschen schuld. was interessiet die afrikaner, wie wir deutsche genannt werden oder was uns deutsche nicht gefällt. mich hat man schon im ausland als nazi bezeichnet, obwohl ich baujahr 1948 bin und es nicht sein kann. wenn schon multi-kulti bei uns, was ich auch poitiv sehe, dann auch respekt gegenüber unserem kulturgut. aber es gibt ja schon deutsche, die das selbst zerstören wollen. echte deutsche arschlöcher. auch in der plotik, – leider.

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