Die öffentlich Schlechtlichen!

geld

Habe gerade wieder als Freiberuflicher ein Meeting in Sachen Media bei der ARD gehabt. Hat was mit spezieller Aufnahmetechnik zu tun, nichts besonderes, aber dennoch ein paar ereignisreiche Tage für mich. Warum? Weil man so richtig mit Betroffenen diskutieren konnte, das Eine und Andere aus Unmutsgründen an das Tageslicht kam und nicht wenig Besucher nach der Tanzveranstaltung (Baden-Baden) an dieser ohne Planung entstandenen Talkrunde teilnahmen. Und was dann so innerhalb knapp zwei Stunden angesprochen wurde und einigen Teilnehmern die Augen öffnete, war bemerkenswert und deshalb diesen Bericht hier durchaus wert.
Also, die Führungselite des Fernsehens behauptet ja stets, sie würden Programme für die Mehrheit der Menschen in Deutschland machen. Tja, da behaupten nicht wenige, dass das trocken gelogen wäre! Weil nämlich die Mehrheit der Deutschen überhaupt nicht intensiv fern schaut. Die ARD selbst und alle ihre humpelnden dritten Programme schaut das Gros der jüngeren Deutschen schon gar nicht, wobei das Zweite mit ihrem Senderanhang keinesfalls besser abschneidet! Interessant, dass die AfF (Arbeitsgemeinschaft für Fernsehforschung), die der Auftraggeber der Marktforschung GfK ist, ständig einen sogenannten „durchschnittlichen“ Fernsehkonsum der Deutschen misst. Demnach würden alle Deutschen, vorausgesetzt sie sind älter als 14 Jahre, durchschnittlich rund 4 Stunden am Tag fernsehen. Ich und andere unserer offenen Runde fragen sich natürlich, welche normal arbeitende, arme Sau, die sich vielleicht eine halbe Stunde lang irgendwelche Nachrichten am Tag reingezogen hat oder sogar nur Wochenendseher oder vielleicht sogar völliger Nichtnutzer ist, bis zu 7 Stunden täglichen Fernsehkonsum glotzt, damit dieser gemessene Schnitt entsteht? Welche Personenschicht diesen Schnitt freilich repräsentiert, das verschleiert die Statistik der AfG, da sie niemals getrennt nach Altersgruppen wie zum Beispiel die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen die Daten angibt. Interessant zu veröffentlichen ist für die nur der durchschnittliche Konsum der totalen Gruppe im Alter von 14 bis 69. Und die sehen eben locker 232 Minuten täglich fern. Klar, das bedeutet, der generelle Durchschnitt von 250 Minuten wird von denen bestimmt, die älter als 69 sind. Zum Glück kann von den Zuschauern im Alter 70+ nicht gemessen werden, wie viel Prozent von ihnen die eingeschaltete Bildschirmszenerie völlig verschlafen. Eine dubiose Angabe des Fernsehkonsums der Deutschen, eine Selbsttäuschung, die man nach dem Motto generiert: Weil, so schloss er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf!
Eben nicht die Mehrheit sieht die öffentlich-rechtliche Programme, sondern jene Alten, denen das Lesen schwer, das Weg- und Ausgehen sowieso am Arsch vorbei geht und jene, die vielleicht Zeit ihres Lebens genug diskutiert und geredet haben und ihren Lebensabend bei inaktivem Zusehen von Kommunikationen bei den Öffentlichen besser aushalten können. Und gerade diese Leute, zumeist relativ unempfindlich und gleichgültig, kann man schon mit absolut harmlosen Unsinn, mit langweiligen Talks, blödsinnigem Quizgefasel und ewigen Kochgemauschel an den Sessel fesseln. Wiederholungen deutscher Fernsehproduktionen, die höchstens in der vierten Liga spielen dürften, werden immer wieder „verspeist“, weil sie für andere Abendvergnügungen wenig Alternativen haben. Und was da zum größten Teil für viel Geld geboten wird, was zwangsläufig ein deutscher Haushalt zu zahlen hat, erscheint nicht nur teilweise ziemlich gruselig. Qualitätsreiche Familiensendungen wie einst »Die Unverbesserlichen«, »Einmal im Leben«, »Forsthaus Falkenau« und »Diese Drombuschs« sind nicht mehr, weil einerseits die hervorragenden Autoren fehlen und andererseits die neue Generation junger Regisseure, die derartiges umzusetzen imstande sind, fehlen. Da betrifft insbesondere das Publikum im Alter zwischen 30 und 60, denn das TV-Publikum unter 30 geht beim konventionellen Fernsehen eindeutig gegen Null.
Es gibt sicherlich viel mehr als 1000 sehr gute deutsche Schauspieler, aber den meisten fehlt wohl eine durchdringende Lobby bei den Autoren und Regisseuren. Denn bei ARD und ZDF scheinen nur rund 100 schauspielende Akteure bekannt zu sein, die über ihr hervorragend vernetztes Management immer wieder zu Hauptrollen kommen. Anders konnten sich die Teilnehmer unserer lockeren Runde nicht erklären, warum immer wieder weitgehend dieselben Gesichter auf dem Schirm in tragenden Rollen agieren und dabei auch noch häufig ähnliche Charakterrollen verkörpern. Mit der Zeit gehen den meisten Zuschauern, sieht man von einer gewissen Fanstruktur ab, diese Wiederholungsgestalten arg auf die Nerven: Gestern im Film den Rechtsanwalt oder die gestresste Ehefrau, heute den Bauern oder eine tolle Unternehmerin gespielt und morgen schauspielend bei der Kriminalpolizei oder im Schuldienst tätig. Das macht so richtig Spaß: Und ewig grüßt dasselbe Murmeltier!
Auch bei den Moderatoren haben die Öffentlichen eine seltsame Art Auswahlen zu treffen. Manche Moderatoren beherrschen offenbar nur bedingt die deutsche Sprache, wählen Worte, über die sich murrend Konrad Duden im Grabe umdrehen würde. Wer ihr Auftreten schult, sie überwacht, auswählt und einsetzt und die Ratschläge über Kleidung und Aussehen erteilt oder gar ihre oft nervösen Bewegungen, die schon so manchem Zuschauer die Ruhe genommen haben, nicht untersagt, kann man nicht erahnen. Viele Moderatoren erscheinen sogar sehr schmuddelig und nachlässig in ihrer Kleidung. Vieles passt nicht zusammen, oben Krawatte und Manschettenknöpfe, unten Turnschuhe oder Sandaletten. Ärmel oder Hosen zu kurz, Farbgestaltung ohne Geschmack und eine Rhetorik, auf der es früher in einem Aufsatz allerhöchstens eine -4 gegeben hätte. Auch an der lässig-flegelhaften Ausdrucksweise stört sich im Studio niemand. Wäre ja auch nicht schlimm, wenn sich hier ein jugendliches Fleisch äußert, aber so manchem Moderator steht das eher nur beschämend an der Seite.

schmuddel
Wer es aber einmal bei den Öffentlich-Rechtlichen geschafft hat, muss sich um seine Rente keine Sorgen mehr machen. Die Angestellten bekommen eine rosige Altersversorgung, denn auf die gesetzliche Rentenzahlung erhalten die Ruheständler noch eine ordentliche Summe obendrauf. Wer mit 65 Jahren (oder auch später, das funktioniert immer!) in Rente geht und treuer Öffentlicher war, brachte es auf mehr als 90 Prozent seines letzten Nettogehalts. Mittlerweile hat man das System reformiert. ARD und ZDF müssen nur noch etwa 6,6 Prozent des Jahreseinkommens für Mitarbeiter zusätzlich aufbringen, um für diese die Rentenzeit zu erwirtschaften. Bereits die Gehälter der Wald- und Wiesenmoderatoren, die gerade 1-2 Jahre aus dem Ei geschlüpft sind, zeigen ziemlich üppige Konstellationen. Wer schon eine kleinere Nachmittagssendung moderiert, bekommt ohne besonders bekannt zu sein knapp an die achtzigtausend Euro per anno. Das zieht sich dann aufmunternd nach oben, Moderatoren mit festen Sendungen an Nachmittag und zur frühen Abendzeit in den Dritten halten schon mit dem Salär der Flugkapitäne mit. Wer in der besten Abendzeit moderiert, ist fein raus und steht oben. Gut eine Million Euro als Gage holte sich Oliver Pocher in seiner Zeit bei der ARD, sein Partner Harald Schmidt verdiente noch einiges mehr. Mit riesigen Produktionsvolumen (die neuen Haushaltsgebühren machen’s möglich!) werden bekannte Moderatoren geholt, egal wie sie einschlagen (Markus Lanz). Und wenn die vielen Omas und Opas vor den Flachbildschirmen die Einschaltquote hochtreiben, dann hört man: Der oder die bringt es! Topgagenbezieher wie Günther Jauch, der seine Talkshow in der Sonntagabend-Prime-Time hält, bekommt ein Produktionsvolumen von 10,5 Millionen Euro zugesprochen. Da fragt man sich, wie die ARD ihren Zuschauern erklären will, warum sie einem Mann wie Jauch 4500 Euro pro Sendeminute zahlt? Dabei hatte sich die ARD noch nicht mal gemausert, als Jauch die Verantwortlichen bei ihrer ersten Offerte noch als „Gremium voller Gremlins“ bezeichnet hatte. Man hat’s ja, der Zuschauer bezahlt es, die Politik bestimmt es. Und das auch dann, wenn Quantität statt Qualität geliefert wird. Dafür aber sind die Ausstattungen der Büros, Studios und Gebäude vom Feinsten und stets aktuell neuwertig und modern. Mobiliar wie Sitzgelegenheiten, Tische und Theken bei Nachrichtensendungen und Shows geben sich immer als Hingucker.
Auch »Tagesschau« inclusive »Tagesthemen« und »Heute-Journal« sind nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Politisch kopflastig geprägt wird international schon dann berichtet, wenn in den USA jemand kräftig furzt. Andere Geschehnisse bleiben hinten an. Für den Konsumenten in Deutschland ist im TV der Seitensprung zu Euronews unerlässlich, ansonsten wird er völlig einseitig von den vielen Auslandsjournalisten informiert.
Natürlich soll hier nicht vergessen werden, dass es auch Sendungen gibt, die viel Interesse und Begeisterung beim Publikum erwecken. Im Spielfilmbereich findet man hier aber keine Sendung, sieht man von den regional verschiedenen Tatort-Serien mit ihren unendlichen Wiederholungen ab. Dokumentationen, Reiseberichte und Magazine wie »Frontal21« und »Report« erfreuen sich größerer Beliebtheit. Wie lange allerdings Sendungen wie »Markt» und ähnliche oben mit schwimmen, wird wohl vom aktuellen Handling vieler Unternehmen abhängen: Preise ein wenig senken, aber gleichzeitig die Inhalte in Packungen erheblich mindern usw. Einzig im Sportbereich wird bei der Berichterstattung die Qualität erzeugt. Fast alle Beteiligten unseres Smalltalks waren sich darüber einig, dass hier ARD und ZDF viele Punkte einfahren, auch wenn einige Sportarten wie Fußball zum Teil unbezahlbar werden.
ARD und ZDF haben gemeinsam 22 Programme, die täglich rund um die Uhr senden. Neben dem Ersten und dem Zweiten gibt es neun dritte Programme sowie 3sat, Arte, Phoenix, Bayern-Alpha und den Kinderkanal. Dazu die Digitalkanäle EinsPlus, EinsFestival, Tagesschau24, ZDFneo, ZDFinfo und ZDFkultur. Die Öffentlich-Rechtlichen rechtfertigen dieses umfassende Angebot mit der Vielfalt, weil diese ja auch im Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben ist. Wirklich? In den dritten Programmen laufen zumeist wöchentlich alte Episoden irgendwelcher TV-Serien. Auch andere Spielfilme werden im Wochenrhythmus zwischen den Dritten ausgetauscht und hin- und hergeschoben. Ziemlich uninteressante Talks, Kochsendungen, die einem aus dem Hals kommen, und 50-60 Jahre alte Filme geben sich ein Stelldichein bei diesen Sendern. In einigen Digitalkanälen laufen sage und schreibe zu bis zu 80 Prozent Wiederholungen. Wahrhaftig eine umfassende Vielfalt? Und wird ein Film in einer Woche auf allen Dritten, die im gesamten Bundesgebiet zu sehen sind, siebenmal wiederholt, dann kann man schon sagen: Nun hat den Film wirklich jeder TV-Akrobat gesehen. Nicht wenig in unserer Diskussionsrunde meinten deshalb, dass bei der deutschen Medienregulierung, die in der Nachkriegszeit konstruiert wurde, bald der Vorhang fällt. Das System erodiert vom Fundament her.
Aber wahrhaben wollen sie es offensichtlich nicht. Die Mehrheit der Verantwortlichen bei ARD und ZDF begreift ebenso wenig wie die in den entsprechenden Gremien sitzenden Politiker, dass die Zukunft auf den Bildschirmen den Netzangeboten gehört. Die allerdings hat in Deutschland kaum jemand zu bieten. Hochwertige angelsächsische Angebote überrollen den deutschen Markt, weil der mit Sendungen wie »Tatort« nur das bildungsferne Publikum mit Mord und Totschlag einfängt, Rentner und Arbeitslose mit den Kochkünsten spezieller Sterneköche zu fesseln und eine gewisse Lehrer- und >Studentenelite mit Geschichtsdokumentationen anzubinden versucht. Das ganze gigantische System der Beitragsfinanzierung wird ad absurdum geführt, denn für die nächste TV-Generation sämtlicher Internetformate gibt es hierzulande weder eine Infrastruktur, noch gar ein Know-How! Leider ist das Geschrei um die Details bei den Öffentlich Rechtlichen viel zu laut. Vielleicht liegt es daran, dass sie das Knirschen im maroden Gebälk ihres Systems nur unzureichend wahrnehmen. Wenn aber die erste Säule oder Mauer stürzt, wird es sehr, sehr schnell gehen.

Aber mit rund 1,2 Milliarden Einnahmeüberschuss bei gut 8 Milliarden Einnahmen per Zwangsgebühren, wie die Fakten nun nach der Umstellung des Gebührensystems aussagen, wird sich es noch einige Zeit aushalten lassen. Juristisch sind die Öffentlich Rechtlichen gut abgesichert, niemand entkommt ihrem Geldbeutel, sofern er die Sender empfangen kann.
Die einzige rechtsfeste Möglichkeit, dass ein deutscher Zuschauer der GEZ entgehen kann und somit das System nicht zwangsfinanzieren muss, ist die Obdachlosigkeit.

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Über berni43

Baujahr 1943 ABI 1961 Diplom (Ing) 1965 Studium BWL (PBW) 1981 Prom. 2009 Leitender Dipl.Ing. ab 1971 Freiberuflicher Ing. ab 2008 Promo Holograph Laser-Systems UoC (USA) 2009 Technical Advisor SONY-Group TOKIO 2010 STRAWFISH-Group BERLIN ab 2011 Spezielle Media Holografie/3D ab 2012 Spezialist Kommunikation, Mediator, Schulungsleiter Präsentationen, Technical Advisor Group Holografie
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Eine Antwort zu Die öffentlich Schlechtlichen!

  1. Wolfskutte schreibt:

    Was willst du denn von Monopolunternehmen verlangen, denen ein Tatort-Volk zu Füssen liegt? Schlimmer als die Programmmonokultur der abgeschlafften Grimassenschneider ist das undemokratische Abzocken von Gebühren, die dem Bürger von einem plutokratischen Staat aufgezwungen wird!

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