ARD + ZDF: TV für Rentner?

ard-zdf-titel
Als ich geboren wurde, gab es diesen Öffentlich Schlechtlichen Medienkraken noch nicht, und als genau heute vor 65 Jahren das Deutsche Fernsehen mit 6 Landesanstalten das Licht der Welt erblicken durfte, ahnte noch niemand, was dieses Monster jedem Haushalt an Kosten verursacht. Das wäre ja an sich noch nicht schlecht, wenn die Gebühren im Verhältnis zur Leistung angemessen wären. Sind sie aber nicht. Brillieren können unsere Öffentlichen nur mit der Technik, mit den Ausgaben für Kulissen (nur das Feinste vom Feinen) und den Gagen, wobei qualitativ die meisten Schauspieler höchstens der zweiten, bei Moderatoren sogar oft maximal nur der dritten Liga angehören. Aber Leistung zu bringen ist relativ unwichtig, denn Gebühren müssen die Bürger auch für schlechte Programme entrichten, egal, was oder wo sie einschalten. Bei einigen Landesanstalten stünde schon ein Termin beim Konkursrichter bevor, hätte das deutsche Volk nur soviel bezahlen müssen, wie oft und welchen TV-Sender sie frequentieren. Gebühren nur nach Verbrauch oder Quoten zu erhalten, das hätte schon so manchem Sender das Genick gebrochen. Aber so verbutteren sie lockere 9 Milliarden (!) Euro, bei der ARD greifen die beiden Landesanstalten des SWR und WDR zusammen tiefer in den Gebührentopf als das gesamte ZDF. Dabei widmen die Deutschen bei allen Medien (laut Statistik 2014) im Jahr noch nicht einmal zu 50% die Fernsehprogramme von ARD und ZDF. Ich gehöre zu jenen, denen der volle Gebührenbetrag als „Minihaushalt“ aus der Tasche gezogen wird, obwohl mein Konsum keine 10% beträgt. Ein guter Schachzug der Öffentlichen, als sie Richtlinien ihrer Gebührenregeln auf Haushalte umlegten. Das bringt mindestens 1,6 Milliarden Euro an Mehreinnahmen im Jahr und anstehende Klagen dagegen werden auch nichts ändern.

Anfang des Jahres habe ich durch meine junge Verwandtschaft eine kleine Umfrage unter Zuhilfenahme von informellen Plattformen der Netzwerke, wie z.B. Facebook, Whatsapp u.a. gestartet. Da kamen, obwohl ich das Alter zur Bedingung mit einem Baujahr von nicht vor 1980 festmachte, zwar weit mehr als 1000 Personen zusammen, aber nicht einmal die Hälfte konnte umfassend Stellung auf meine Fragen beziehen. Der Grund war, dass die meisten der Befragten vom Alter her außer Sportsendungen kaum die angefragten Sender einschalten und die dritten Programme nun schon mal gar nicht. Also muss ich davon ausgehen, dass im Zuschauerschnitt das Alter von treuen Usern der ARD und des ZDF kaum unter 55 Jahren liegen dürfte. Das bedeutet, 9 Milliarden Budget für die ältere Generation, die Programmvielfalt für Rentner mit 100% Einschaltquote in Alters- und Pflegeheimen. Und was ist von der Umfrage übrig geblieben? Was sagen jene Jüngere, die tatsächlich ein wenig mehr bei den Öffentlichen ausserhalb des Sportlichen reinschauen?

Fangen wir beim Positiven an, das ist erheblich kürzer zu beschreiben:
Sehr gute Reise- und Erlebnisberichte unter dem Motto Länder – Reisen – Abenteuer; zum Teil hervorragende Kultursendungen; interessante historische Beiträge der Geschichte; hervorragende Dokus und Magazine; einige (leider nur wenige!) gute Talkshows; gute Musiksendungen sowohl auf der Pop- wie auch Volksebene; manche gut inszenierte, orientierungsreiche Verbrauchersendungen mit realistischen Produkttests und viele sehr informative Sendungen in Sachen Gesundheit.

Und das negative Dilemma? Es überwiegt:
Am schlechtesten schneiden die Filmproduktionen im eigenen Land ab. Nicht nur, dass die Namen Lindström und Danella schon zum Um- und Ausschalten animieren (hier greifen wohl nur die +50 nicht zur Fernbedienung), auch die meisten selbstgestrickten Fernsehfilme sind einfach öde, langweilig und assig. Abgefuckte Drehbuchautoren schreiben stets gleiche Grundthemen über irgendwelche Problemchen, die dann von Schauspielertypen gemeistert werden sollen, die man sowohl gestern, vorgestern und jede Woche ein- bis zweimal in anderen Produktionen sehen muss. So kommt es vielen vor, als verfügen die Öffentlichen Anstalten nur über knapp 100 Schauspieler. Trifft aber nicht zu, die Rollen erhalten die mit den besten Agenten, mit der besten Lobby oder Connection zu den Sendeanstalten. Nicht nur die Qualitäten, auch wirklich gute Schauspieler bleiben auf der Strecke, denn es gibt – groben Schätzungen zufolge – rund derer 5000 in Deutschland. Die knabbern an der Armutsgrenze und schauen neidisch auf jene, die tief im Geschäft sitzen und von den Allmächtigen der Öffentlichen immer wieder geholt werden, um sie den alten TV-Glotzern erneut zu präsentieren. Tatsache ist, dass bei fast 70% aller Schauspieler kaum ein Jahresgehalt von 30Tsd Euro erreicht wird. Dafür ist bekannt, dass die vielbeschäftigten Spitzenkräfte, deren Gesichter nur noch spezielle Fans oder die ältesten Zuschauer ertragen können, locker auf 10-15Tsd Euro pro Drehtag kommen.

Deutschland ist ein Fernsehkrimivolk, allerdings auch hier erst vom Alter Mitte Vierzig ab. Das „Tatortvolk“ wird gehegt und gepflegt, dabei bleibt jede Filminhaltsqualität auf der Strecke. In vielen Fällen ist die Story nicht einmal logisch, aber das merken nur wenige Zuschauer. Aufgefallen ist den Befragten oft folgende Inszenierungsmerkmale bei der filmischen TV-Machart: Die deutsche Familie ist im Durchschnitt relativ reich, wohnt immer in sehr guten (neuen!) Häusern mit Terrasse, Garten und natürlich großem Grundstück. Die Berufe der darzustellenden Personen sind natürlich auch mindestens gehobener Natur, zumeist leitende Personen, häufig Akademiker, Geschäftsleute und Juristen. Natürlich, auch das ist immer dasselbe, fahren die meisten Deutschen in den familiären Stücken ein teures Auto. Wer in der Filmwelt von ARD und ZDF hier genau hinschaut, wird bald eine eigenartige Neigung zu bestimmten Automarken erkennen. Ganz erstaunlich, an was da die Produzenten mit ihren Autoren und Regissuren denken! Arme Familien in Mietwohnungen darzustellen passt nicht ins reiche Deutschland, da ist keine gute Familienidylle zu präsentieren. Und jeder Fremde im Ausland will so schnell wie möglich in dieses herrliche Land, wo alles in Ordnung ist und viel mehr als nur Zitronen blühen! Besonders schlimm treiben es dann die sogenannten Dritten: Diese unterprivilegten Fernsehproduktionen werden in unzähligen Wiederholungen hin- und hergeschoben, ausgetauscht und erscheinen stets zur besten Sendezeit direkt nach 20 Uhr.

Besonders eingebürgert haben sich Kochsendungen. Starköche aus allen europäischen Nationen präsentieren Leckeres in teuren Küchenstudios. Hier wird nicht gespart, jeder Regionalsender lässt an technisch hochgestylten Geräten kochen. Dem X-Sternekoch wird größtenteils gar kein Moderator zur Assistenz beigestellt, nein, da die Gebühren stattlich fließen, leistet man sich noch einen Prominenten. Natürlich nur jene Schauspieler, deren Gesichter schon von unzähligen Filmlangweilern über die Schirme grinsen. Bei unserer Umfrage gab es nur eine einzige Person der Baujahre 1980 und jünger, die seine Freizeit für so etwas an TV mehr als einmal hergegeben hat. Die Ausnahme ist aber durch den Beruf begründet, – Koch!

Quizsendungen sollen ja laut Umfragen in sein. Bei den Jüngernen aber wohl kaum. Nun ja, unsere Umfrage ist nicht repräsentativ, – kann sie auch nicht sein. Dennoch bleibt etwas Wahres haften. An sich sind solche Sendungen von der Idee her keineswegs schlecht, aber hier haperts an der Gestaltung. Am Geld kann’s doch nicht liegen? Doch die TV’ler abwärts der Vierzig orientieren sich lieber an solche Sendungen wie beim privaten Pro7, wo ein gewisser, selbstbewusster Moderator zu ’schlagen‘ ist.

Auch die vielen Gartensendungen sind von der Gestaltung her gut gemeint, aber auf wen zielen sie ab? 90% der Zuschauer sind rüstige Rentner, deren lebensabendliche Aufgabe das besungene Häuschen mit Garten ist. Schliesst man neben diesen Gartenplausch noch einen kleinen Talk über irgendeine Promiszene ein, holt ein nettes Kochstündchen dazu, involviert ein kleines Quiz, gibt niedliche Basteltipps und zeigt die deutsche Reiselust für jene, die genug Zeit dazu haben, dann ist so ganz auf die Schnelle ein wunderschönes Magazin entstanden, das am Vor- oder Nachmittag einige Stunden ausgestrahlt werden kann. Auch hier wird dasselbe Verfahren wie bei den kläglichen Produktionen von Unterhaltungsfilmen angewendet: Sind es dort immer dieselben Schauspielgesichter, werden hier weitgehend dieselben Fachleute eingeladen. Nur wer, außer Rentner und Arbeitslose, schaut sich das in dieser Form an? Ein Schichtarbeiter wird sich eher ein Video seines Geschmacks reinziehen, sofern er nicht in der Falle liegt. Auch hier bekamen wir von der Gruppe +18 bis -35 die Frage: Garten, gibt’s denn solche Sendungen?

Verbleiben zum Schluss noch die Nachrichtensendungen. Hier wird’s besonders kritisch und lustig zugleich, ich zitiere deshalb lieber gleich wortwörtlich die Stellungnahmen:
Tagesschau oder Heute-Journal ziehe ich mir niemals rein. Es gibt bessere Quellen!
Tagesschau mit mustergültig angezogenen, krawattenbehangenen Langweilern? Nee!
ARD-Nachrichten? Da helfe ich lieber in der Küche!
Beim ZDF haben die ’ne geil aussehende Tussy beim Journal. Aber das war’s auch schon!

Kann man allein nicht ansehen, die lassen die Hälfte weg und bringen Unwichtiges. Da muss ich noch auf Euronews umschalten, um alles in der Welt zu erfahren!
Politisch viel zu einseitig. Jeden vorgefallenen Furz aus den USA zeigen sie,  aber …
Darf man nicht schauen, um Gotteswillen! Die da auswählen, manipulieren uns!
Die Sender bringen die Nachrichten in toller Technik, aber was da rauskommt wird echt lahmarschig präsentiert. Und die männlichen Sprecher, – das reinste Wachskabinett!
Nein, bei denen wird weggelassen, was das deutsche Volk nicht hören soll. Außer denen, die übers Wetter berichten, liegen da alle an der Leine!

Was die letzte Aussage eines sehr jungen Schreibers angeht, hier eine wahre Begebenheit, kein halbes Jahr her. Geben Sie hierbei Ihr eigenes Urteil ab:

Am Freitag, dem 5.12.2014 hatten mehrere Dutzend Prominente, darunter ein ehemaliger Bundespräsident, ein ehemaliger Bundeskanzler, mehrere ehemalige Ministerpräsidenten und Bundesminister und viele bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Publizistik, einen Appell für eine „neue Entspannungspolitik“ und einen Dialog mit Russland veröffentlicht: „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ Falls Sie damals davon gehört haben, dann nicht aus den Fernseh-Nachrichten von ARD und ZDF. Denn die hatten seinerzeit darüber nämlich nicht berichtet.
Die Unterzeichner richten sich nicht nur an Regierung und Parlament, sondern auch an die Medien: Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. Jeder außenpolitisch versierte Journalist wird die Furcht der Russen verstehen, seit NATO-Mitglieder 2008 Georgien und die Ukraine einluden, Mitglieder im Bündnis zu werden. Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen. Eine höchst illustre Schar von sechzig Persönlichkeiten kritisiert Politik und Medien in Sachen Krieg und Frieden. Und „Tagesschau“ und „Tagesthemen“, „heute“ und „heute journal“, tagesschau.de und heute.de ist das kein Wort wert.

Begründung der öffentlich Schlechtlichen: Wir hatten zu wenig Platz und Zeit in den Nachrichtensendungen …

Vielen Dank an alle, die meine Umfrage so tatkräftig mit Meinungen unterstützten!

Advertisements

Über berni43

Baujahr 1943 ABI 1961 Diplom (Ing) 1965 Studium BWL (PBW) 1981 Prom. 2009 Leitender Dipl.Ing. ab 1971 Freiberuflicher Ing. ab 2008 Promo Holograph Laser-Systems UoC (USA) 2009 Technical Advisor SONY-Group TOKIO 2010 STRAWFISH-Group BERLIN ab 2011 Spezielle Media Holografie/3D ab 2012 Spezialist Kommunikation, Mediator, Schulungsleiter Präsentationen, Technical Advisor Group Holografie
Dieser Beitrag wurde unter eurodeutsch, glückskindlich, piratbildlich abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu ARD + ZDF: TV für Rentner?

  1. cello schreibt:

    Kenne die umfrage nicht, das ergebnis haut aber rein! Bin mitte 20 und komme pro woche kaum auf zwei stunden fernsehzeit, viel mehr nutze ich den hörfunk. Radiogebühren pauschal ja! Fernsehgebühren wie bei den privaten oder nur nach gebrauch (stromzähler). Alles andere ist vergewaltigung und anarchistischer beschiss!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s